Exklusiv-Interview mit dem Rapper Milo zum Release seiner neuen EP

Veröffentlicht am: 30. Dezember 2021
Dieser Beitrag wurde in unserer Kategorie "Landesverband" und "Ulm" veröffentlicht

Die Rote EP

Ein guter Freund und Mitstreiter von uns hat vor kurzem seine erste EP veröffentlicht. In „Die Rote EP“ geht es um alltägliche Probleme wie die Zustände in der Pflege und die Aushöhlung des 8 stunden Tages, aber auch um Klassenkampf und Perspektiven fernab des Kapitalismus. In einem Track wird sogar der Vietnamkrieg und die bis heute spürbaren Auswirkungen dessen behandelt. Netterweise hat Milo M sich zu einem Exklusiv-Interview mit unserer Ulmer Ortsgruppe bereit erklärt.

Was hat dich zur Musik gebracht?

Ich bin sehr früh mit Rapmusik in Kontakt gekommen, weil ich aus eher ärmeren Verhältnissen komme und damals die Rapmusik das Sprachrohr unserer Lebensweise war. Sie war wichtig für uns, weil sie uns selbstbewusst gemacht hat und uns gezeigt hat, dass es Leute gibt, welche sich für unsere Probleme interessieren. Ob Drogen, Gewalt, Kriminalität, eben Dinge, die einem in seinem Leben präsent waren, das hat mir einfach viel gegeben. Außerdem hat es zu einer gewissen Form von Klassenbewusstsein geführt, man hat sich damit auseinandergesetzt, warum man eigentlich in dieser Situation ist. Und genau diese Art von Musik wollte ich dann auch machen.

Warum politisch anstatt Feel good bzw Gangsta Rap?

Die aktuelle EP steht natürlich unter einem politischen Thema, allerdings habe ich auch andere Musik gemacht. Einige Representer welche man schon als Gangster Rap bezeichnen könnte oder z. B. Musik die Depressionen oder einfach Probleme des Lebens behandelt und aufarbeitet. Für mich muss Rap in erster Linie eine Form von Kultur bzw. Kunst sein. Feel Good content wie ihn die Playlists gerade dominieren habe ich immer als sehr nutzlos und wenig künstlerisch empfunden. Ich bin Marxist-Leninist und meine Kunst spiegelt natürlich auch meinen Charakter wieder, dementsprechend war es völlig natürlich für mich eine EP zu machen die politisch und vor allem Rot ist.

Was willst du mit deiner Musik erreichen?

Ich sehe mich als Teil der proletarischen Klasse und wollte dementsprechend auch proletarische Kunst produzieren. Meine Musik ist kostenlos, nur die CD’s werden zu ihren Produktionskosten verkauft. Alles weitere geht über freiwillige Spenden, quasi jeder nach seinen Bedürfnissen und seinen Möglichkeiten. Ich will Kunst von einem Arbeiter für die Arbeitenden machen und versuche sowohl Unterhaltung als auch Empathie und etwas Theorie in meine Musik zu bringen.

Warum ein Lied über den Vietnamkrieg?

Das ist eine gute Geschichte. Ein Genosse der Partei der Arbeit (PdA) in Zürich hat mir erzählt, dass es eine Benefizveranstaltung für die Agent Orange Opfer in der Schweiz geben wird, er kannte meine Musik und hat mich gefragt, ob ich dort nicht auftreten will. Ich war natürlich sofort dabei, musste mich aber erstmal mit der Thematik richtig auseinandersetzen. Nachdem ich mich wochenlang mit den historischen Fakten rund um den Vietnamkrieg und die Kriegsverbrechen der USA auseinandergesetzt hatte, bin ich auf die Geschichte von Tran To Nga gestoßen, die über Gerichtsprozesse versucht Gerechtigkeit für die Opfer dieses Gifts zu erkämpfen. Leider ist das noch nicht von Erfolg gekrönt worden, weil Kapitalisten wie Bayer natürlich sehr viel mehr und vor allem korruptere Mittel zur Verfügung haben als eine einzelne Frau, die gerade gegen den Krebs kämpft. Das alles wollte ich für die Benefizveranstaltung dann in einen Track verpacken. So entstand Doc Lap Hoa Bin. Wir haben auf der Bühne performt und mit den Spenden, die mit den CD’s zusammengekommen sind ein Projekt in Vietnam mitfinanziert, das Wohnraum für Agent Orange Opfer und Opfer von Naturkatastrophen errichtet. Darauf bin ich unglaublich stolz.

Was für eine Rolle spielt, Rapmusik für junge Arbeiter in Deutschland?

Rap ist mehr als Musik, die Unterhaltungszwecken dient, er behandelt Themen wie Armut, Diskriminierung, psychische Probleme, Antifaschismus, alles Mögliche. Wenn ein Thema aktuell ist und für die Arbeiterklasse Relevanz hat, dann wird der Hip-Hop darauf reagieren, weil er aus eben jener Klasse entstanden ist und daraus seinen Input bekommt. Er hat die Möglichkeit zu mobilisieren, zu organisieren und zu bilden, wenn die richtige Intention dahinter steckt. Klar, seit einigen Jahren ist die Kunstform Rap teilweise missbraucht worden und die meisten der bekannteren Lieder, die auch auf Spotify etc. Relevanz haben, haben damit nichts mehr zu tun.

Weitere Links:

Neue Beiträge:

Demo in Stuttgart: Keinen Euro für Krieg und Zerstörung

Am 1.Oktober ist die SDAJ Baden-Württemberg gemeinsam unter dem Motto “Keinen Euro für Krieg und Zerstörung” in Stuttgart auf die Straße gegangen. Ein breites Bündnis aus der Friedensbewegung organisierte die Demonstration, die in der Lautenschlagerstraße begann und...

Keinen Euro für Krieg und Zerstörung!

Beteiligt euch am bundesweiten dezentralen Aktionstag der Friedensbewegung! Keinen Euro für Krieg und Zerstörung!Statt dessen Milliarden für eine soziale, gerechte und ökologische Friedenspolitik!Stoppt den Krieg! Verhandeln statt Schießen! Für das Erreichen dieser...

UZ-Pressfest 2022

Krieg und Krise, Aufrüstung und Inflation – es gibt viele Gründe warum es sich lohnt zusammen zu kommen und zu diskutieren, wie wir für eine bessere Welt kämpfen können. Das UZ-Pressefest der DKP findet dieses Jahr in Berlin auf dem Rosa-Luxemburg-Platz statt. Dort...

Das war unser Pfingstcamp 2022!

Arbeiterliederabend, Workshops, Vernetzung, Spiele, Diskussionsrunden und vieles mehr konnten wir am vergangenen Wochenende (03. bis 06. Juni) beim Pfingstcamp Süd in Zwingenberg (Baden-Württemberg) genießen. Alle zwei Jahre nutzt die ArbeiterInnenjugend das...

SDAJ Ludwigsburg gegründet!

Nach mehreren Jahren gibt es jetzt wieder eine SDAJ-Gruppe in Ludwigsburg! Wir haben uns auf dem Pfingstcamp-Süd der SDAJ am 4. Juni 2022 in Zwingenberg zusammengefunden und neu gegründet. Wir sind junge Arbeitende, SchülerInnen, Azubis und StudentInnen welche sich in...

Für den Frieden – Gegen G7!

günstige An und Abreise über alle SDAJ Gruppen in Baden-WürttembergWir fahren gemeinsam zur Demo und zurück dabei hast du die Möglichkeit die SDAJ kennenzulernen - In vielen Gruppen organisieren wir auch im Vorfeld Demo-Workshops!Demo am 26.06, in...

7 Euro für einen Döner?

In der Mittagspause vor dem anstrengenden Nachmittagsunterricht oder nach Feierabend einen leckeren Döner - es gibt kaum bessere, schnellere Mahlzeiten. Doch er hat einen bitteren Geschmack von Inflation, wenn man 7€ für ihn bezahlen musste, falls man ihn sich...

SDAJ Pfingstcamp 2022

Das wichtigste in kürze:günstige An und Abreise über alle SDAJ Gruppen in Baden-WürttembergWorkshops, Sport-Events, Kreativangebote, eine Party und vieles mehrZeltplatz bei Zwingenberg in Baden-WürttembergTicket gibt's bei der SDAJ Gruppe in deiner Nähe für 20€...

Freiheit für Mikhail und Aleksander Kononovich

Gestern waren wir, die SDAJ Freiburg und die KJ Basel, gemeinsam auf der Straße, um Menschen auf die unrechtliche Verhaftung der Genossen Mikhail und Aleksander Kononovich aufmerksam zu machen. Unseren Genossen wird, ohne jegliche Beweise, vorgeworfen, sie würden mit...

Solidarität mit den Betroffenen der Hausdurchsuchungen!

Am Morgen des 22. März durchsuchten Polizisten in Stuttgart, Tübingen, sowie Villingen-Schwenningen mehre Wohnungen von AktivistInnen aus dem antifaschistischen Spektrum. Die Behörden konnten für diese Hausdurchsuchungen keine aktuellen Verschuldungen der...