Planwirtschaft funktioniert halt einfach nicht: Menschen mussten ewig anstehen

Veröffentlicht am: 27. April 2020
Dieser Beitrag wurde in unserer Kategorie "Antikommunismus entgegentreten" veröffentlicht

Vorurteil:

„Dass Planwirtschaft nicht funktioniert hat man in der DDR gesehen: Menschen mussten ewig anstehen, Jahrzehnte lang auf ein Auto warten und konnten sich kaum westliche Konsumgüter kaufen.“

Begründung:

Geschichte über lange Schlangen und Wartezeiten für Autos et cetera
Meine Großeltern hatten damals Verwandte in der DDR und die hatten ja nichts! Ihr Essen mussten sie sich in überfüllten Schlangen vor Supermärkten erkämpfen und viele einfache Dinge wie Schokolade gab es überhaupt nicht. Auf ein Auto mussten sie auch über zehn Jahre warten.

Unsere Position dagegen:

kein Mangel an lebenswichtigen Gütern
Dass es in der DDR an allem gemangelt hätte ist tatsächlich nicht korrekt. Insbesondere lebenswichtige Güter, vor allem Essen, waren für alle da. So war der Kühlschrank nicht leer, jedoch manchmal nicht sehr divers (im Vergleich mit einem typischen west-deutschen Kühlschrank) gefüllt. Die DDR unterstützte in solidarischer Verbundenheit die Länder der dritten Welt, anstatt sie nur auszubeuten. Es gab also keine Bananen. Außerdem achtete die DDR auf ökologische Fruchtfolgen, es gab also keine Erdbeeren im Winter. So hat sich in der DDR aus mancher Knappheit an besonderen Lebensmitteln eine eigene Küche entwickelt, die gewisse Produkte der deutschen Kultur durch vergleichbare Produkte ausgetauscht hat. Verhungern musste aber keiner

große Reparationszahlungen an Sowjetunion (gerechtfertigt da Vernichtungskrieg im Osten) – aber der größte Teil wurde von der DDR getragen
Auch hier muss man den geschichtlichen Kontext dazu betrachten. Nach dem Krieg war die DDR wesentlich mehr in Reparationszahlungen (ca. achtmal so hohe Kosten) eingebunden als der Westen. Der Bevölkerung in der Sowjetunion ging es nach dem zweiten Weltkrieg in vielen Teilen noch schlechter. So musste die DDR über viele Jahre hohe Reparationen zahlen, die natürlich im eigenen Land gefehlt haben. Im Westen hingegen wurden die Reparationen möglichst gering gehalten, auch da dort wesentlich weniger verwüstet wurde. Zudem bekam die BRD umfassende Wirtschaftshilfen von den USA und hatte somit ganz andere Ausgangsbedingungen. Nebenbei haben die Westzonen Getreide exportiert während die eigene Bevölkerung hungerte (Hungerunruhen im Herbst und Winter 47), im Osten kam für deutschen Hunger russisches Brot.

Nahverkehr war hervorragend ausgebaut und kostete kaum etwas
In der DDR gab es in vielen Kleinstädten Straßenbahnnetze – selbst heute gibt es auf dem Gebiet der DDR in kleinen Städten noch eine Straßenbahn. Der Plan war es allen Menschen einen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr zu geben, der übrigens extrem günstig war, und sich so vom Individualverkehr abzuwenden – was heute in vielen Großstädten von einigen gefordert wird. So brauchten viele Leute überhaupt kein Auto und natürlich wurden diejenigen bevorzugt, die einen größeren Bedarf hatten. So konnte es vorkommen dass man länger auf ein Auto gewartet hat. Außerdem hatte die DDR auch noch besondere materielle Nachteile: Nur vier der 128 Hochöfen des Deutschen Reiches standen auf dem Gebiet der DDR. Im Gegensatz zum industrialisierten Ruhrgebiet musste die DDR sich ihre Industrie erst aufbauen.

westliche Konsumgüter waren in der DDR lange aus ideologischen Gründen verboten, hat sich aber im Laufe der Zeit geändert
In der DDR waren lange Zeit westliche Konsumgüter teilweise verboten. Man wollte dass die Menschen in der die Produkte aus dem eigenen Land bevorzugen, auch weil man gehofft hat, dass sie freiwillig auf ideologischer Basis auf Güter aus dem Westen verzichten. Später wurde jedoch eingeschätzt, dass sich die Entwicklung des Sozialismus nicht losgelöst von den zeitgeschichtlichen Bedingungen betrachten lässt und dass die Menschen demnach ein ganz normales Bedürfnis nach den Gütern aus dem Westen haben. Die sollten sie nun auch bekommen und so haben sich die Regelungen gelockert, man konnte nun auch Markenprodukte aus dem Westen kaufen (Jeans et cetera).

Planwirtschaft wird heute schon in der Monopolindustrie angewandt
Selbst in der kapitalistischen Gesellschaft wird schon eine Art von Planwirtschaft durchgeführt: Große Unternehmen produzieren nicht einfach nach Lust und Laune, sondern überlegen sich ganz genau und viele Jahre im Voraus wovon sie wie viel für wen produzieren. Ob der Plan aufgegangen ist zeigt sich erst am Markt; bei Fehlplanung werden die überschüssigen Produkte (mitunter auch Essen) vernichtet um den Preis zu steigern. Es wird also gesellschaftlich geplant, aber eben privat angeeignet.

Um dich intensiver mit der Geschichte der DDR zu beschäftigen, empfehlen wir die DDR-Broschüre der SDAJ. Diese findest du hier online oder bei deiner nächsten SDAJ Gruppe gedruckt.

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